Drei Generationen unter einem Dach

 Allein + alleinerziehend

 

Gleich und gleich gesellt sich gern? Generationenkonflikt? Ja, das gibt es. Muss es aber nicht. Tür an Tür, jung neben alt, können 3 Generationen eine wunderbare Symbiose bilden. (Mit 2 oder 4 klappt es auch) Woher ich das weiß? Ich habe die letzten 2 Jahre Tür an Tür mit Herrn G. gelebt. Und das kam so: Als wir neben Herrn G. einzogen, war er bereits 97 Jahre alt und geistig und körperlich rüstig genug, um seinen Alltag zuhause zu meistern. Alle Reinigungsarbeiten übernahm Frau A. und zwei Mal täglich kam jemand von der Caritas um die pflegerischen Aufgaben zu übernehmen. Falls er aber einmal stürzen sollte, wollte er jemanden in der Nähe haben, der via Notruftaste vom Roten Kreuz verständigt wird und nachsehen kommt, damit nicht jedes Mal der Krankenwagen vorfährt, der ihn dann jedes Mal ins Krankenhaus bringen muss. Beim Wocheneinkauf und morgens und abends zum Plaudern wünschte er sich ebenfalls Gesellschaft. Im Gegenzug würde er die Wohnung nebenan zu einem reduzierten Preis vermieten. Ich habe mich dazu entschieden nur halbtags zu arbeiten um Zeit für meine Tochter zu haben. Die Entscheidung, dass ich unser Leben alleine finanziere habe ich nicht selbst getroffen, trage aber die Konsequenzen. Eine Dreizimmerwohnung, noch dazu mit Garten, wäre für uns daher unleistbar. Als ich die Anzeige von Herrn G. las war ich begeistert. Herr G. und meine damals dreijährige Tochter verstanden sich auf Anhieb bestens. Wenn wir gemeinsam Einkaufen waren, setzte sie sich vorne auf den Rollator und so spazierten 100 Menschenjahre gemeinsam durch die Gänge. Zum beliebtesten Teil unserer Abendroutine gehörte nun „Herrn G. Gute Nacht sagen“, denn dort lief zum einen immer der Fernseher und meine Tochter konnte Werbung schauen während Herr G. und ich uns unterhielten und zum anderen nahm sich Herr G. immer Zeit um sie zu fangen wenn sie um den Tisch sauste oder sich mit ihr einen Luftballon zuzuschießen.

 

Herr G. hatte viel und guten Kontakt zu seinen beiden Töchtern und auch zu seinen Enkel- und Urenkelkindern. Aber die meisten wohnten in anderen Bundesländern und konnten nicht kurzfristig und spontan zu hilfe kommen. Die ganze Familie trug dieses für alle Beteiligten gewinnbringende System der Nachbarschaftshilfe mit. Im Dezember 2020 verstarb Herr G. kurz vor seinem 99. Geburtstag. Er hatte das Glück zuhause, selbstbestimmt und ohne Einsamkeit seinen Lebensabend verbringen zu können. Ich hatte das Glück „Familienanschluss“ und eine leistbare Wohnung mit Garten zu haben. Ein Paradebeispiel für eine Win-win-Situation. Es gibt viele Menschen wie Herrn G. und es gibt viele Menschen wie mich. Es braucht nur ein bisschen Mut und eine Portion (Vorschuss-) Vertrauen um das Leben des jeweils anderen zum Besseren zu wandeln.

 

Isa

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